Entwicklermuff/duft an den Fingern, eng zusammengekniffene Augen, schlierenhaftes Rotlicht noch vor den Augen… Ich habe es getan, zum ersten Mal, mit Pia.
Wie angekündigt ging ich mit der Mamiya Mittelformat los, schoss 4 Rollen durch und bekam bis heute leider die Negative noch nicht zurück… ging deshalb mit alten Farb-Negativen in’s Foto-Labor der Uni Oldenburg.
Es. War. Der. Hammer. Nächsten Mittwoch wieder, mit richtigen Schwarz-Weiß Negativen.
Das war es also. Stillschweigend drücke ich meinen Eltern den Schlüssel in die Hand, die diesen sogleich den neuen Mietern weiterreichen. “Dankeschön und viel Glück in der Zukunft wünschen wir Ihnen!”, höre ich noch und schalte dann auf Durchzug. Der Auszug meiner Eltern aus dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, erscheint mir noch schwieriger als der von mir vor ein paar Monaten. Ich könnte ja jederzeit mal zu Besuch kommen auf einen Kaffee oder mal zum Abendessen hat meine Mutter immer gesagt. Oft haben wir das aber nicht gemacht. Und nun ist die Chance vertan.
Überlege noch kurz, ob ich dem jungen Pärchen verraten soll, welche Stufen knartschen und dass die Heizung nachts unheimliche Geräusche macht. Verwerfe den Gedanken aber schnell; das sollen die mal von selbst rausfinden. Bald werden auch sie jede Ecke in diesem Haus kennen. Ecken, die ich damals als Kind kaputt gemacht habe, weil ich Sachen auf die Fliesen geworfen habe oder das Stück Tapete, an der Stelle wo das Sofa stand, auf der man noch Buntstiftspuren erkennen kann.
Und nun die neue Wohnung; kleiner und “auch nicht mehr so teuer”. Sie riecht ganz anders, die vertrauten Möbel wirken seltsam deplatziert und hier werde ich mich auch nie betrunken im Dunkeln in mein Zimmer schleichen müssen. Das ist jetzt alles vorbei.
Ich helfe meinen Eltern beim Auspacken des letzten Umzugskartons und höre meine Mutter sagen: “Das ist jetzt wirklich unser neues Zuhause!” Sie bemerkt meinen Blick und fügt leise hinzu, dass ich jederzeit mal zu Besuch kommen könne.
Über die Feiertage ging es für mich auf die Insel Sylt. Während die Familie sich in Geissen-Manier durch die reduzierte Grabbelware von Bogner und Co. wühlte, befand ich es als meine Pflicht, mich davon abzuwenden und in die Dünen zu gehen.
Upps, ist verboten, ja, aber ich habe auch nur ganz wenig Flora unwiederbringlich kaputt getrampelt. Eigentlich war es eine rechtschaffende Erfüllung mal wieder ganz für mich durch die Natur zu streifen. Bei 6°C, Sonne, viel Wind, Sand und ordentlich salziger Luft konnte die neuen Klamotten mal auf ihre Wandertauglichkeit testen.
Die Mütze von Everbean hielt den Kopf und die Ohren warm, saß passgenau und absorbierte wohlwollend den Schweiß des Wanderers. Dolles Ding!
Durch das Dickicht und den Sand trugen mich meine Kaalen-Hi’s, von Flaek Footwear. Sven und Oliver haben da einen Schuh gebaut, den sich andere in ihr heiliges Sneaker Regal stellen. Ich trage die bis zum Bersten, lasse sie alles ertragen, putze kurz drüber, wie neu. Wertarbeit.
Kameratechnisch war ich voll ausgerüstet unterwegs. Auf der Canon taten das 28 1.8 und das 85 1.8 ihren Dienst. Daneben kam noch eine kompakte Voigtländer Vito B und eine Zeiss Ikonta 9x6 zum Einsatz.
Weihnachtsstimmung kam nicht auf. Kann dem Zirkus auch leider nichts abgewinnen.